Berufsorientierung für Schüler
Fachhochschule Westküste, Agentur für Arbeit und IHK bieten in Heide ein im Land einmaliges Berufswahl-Projekt
Heide Berufsmessen, Internet, Praktikum: Die Informationsvielfalt für die Berufswahl ist groß. Doch das alles reicht meist nicht aus. „Es gibt so viele Möglichkeiten bei den Berufen", erklärt Jana Maria Walzer. Für die 16-Jährige Gymnasiastin aus Büsum steht zwar schon fest, dass sie nach dem Abi eine Ausbildung machen möchte. Doch bei der Suche nach dem passenden Beruf hat sie die Qual der Wahl. Mehr als 100 Ausbildungsberufe und 10 000 Studiengänge gibt es. „Die Jugendlichen sind zum Teil bei der Auswahl überfordert", erklärt Claudia Schlüter, Beraterin für Gymnasiasten bei der Agentur für Arbeit Heide. Die Nachfrage nach gezielter Information ist groß. Im Schnitt 15 Beratungen hat sie in der Woche. „Ich versuche, den Schülern im Dschungel an Informationen einen roten Faden aufzuzeigen."
Mit einem im Land einmaligen „Berufswahl-Projekt" bieten die Fachhochschule Westküste (FHW) in Heide, die Agentur für Arbeit und die IHK Heide ein kompaktes und umfassendes Angebot. An vier Tagen erhalten 800 Gymnasiasten aus Dithmarschen, Nordfriesland, Steinburg und Rendsburg Berufsorientierung aus verschiedenen Blickwinkeln. Vertreter aus der Chemie, dem Gesundheitsbereich und der Kreditwirtschaft berichten über die Erwartungen der Unternehmen an potenzielle Azubis, FHW-Professoren informieren über Anforderungen und Möglichkeiten eines Studiums und Studenten und Lehrlinge berichten über ihre Erfahrungen.
„Vielen Schülern fehlen die Kenntnisse über Studium und Ausbildung", so die Erfahrung von FHW-Vizepräsident Professor Dr. Michael Berger. Gespräche hätten gezeigt, dass es oft falsche Vorstellungen über die Arbeitswelt und eine Hochschule gebe. Er hofft daher, lass dieses Pilotprojekt im Land Nachahmer findet.
Ein ganz so düsteres Bild wie Berger zeichnet Lüder Meinert nicht. Der Studiendirektor aus Wesselburen und Regionaler Koordinator der Gymnasien in Dithmarschen und Nordfriesland macht aber dennoch deutlich, dass der Stellenwert an Berufs- und Studienorientierung zunehme. Er plädiert dafür, dass dies nicht erst in der Oberstufe, sondern bereits in der siebten Klasse ansetzt. Mit dem Thema liegen die Organisatoren ganz auf der Linie des Landes, das seit 2007 Berufsorientierung gesetzlich im Schulgesetz verankert hat. Schleswig-Holsteins Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) bezeichnet dies als eine zentrale Aufgabe der Bildungspolitik.
Viel Wert auf eine gute Vorbereitung legt Heike Tölke, Ausbildungsleitern der Amaturenfabrik und Metallgießerei Göpfert AG in Weddingstedt. „Wir erwarten von den Auszubildenden, dass sie sich einbringen und etwas bewegen wollen." Selbst Industriekaufleute sitzen nicht nur am Schreibtisch, sondern müssen mit in die Produktion, damit sie lernen, was sie später verkaufen sollen. „Es gibt Bewerber, die ganz falsche Vorstellungen von der Ausbildung haben", erklärt Heike Tölke während der Veranstaltung.
Tipps für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche am ersten Tag des „Berufswahl-Projektes" an der FHW waren für Jana Maria Walzer und ihre Schulkameradinnen Nele Rex (16) und Jana von Dollen (16) nicht ganz neu. Dennoch gefällt ihnen die Veranstaltung. „Es bietet ein gutes Rundum-Angebot", erzählen die Schülerinnen, bevor sie zur nächsten Veranstaltung gehen.
Angela Schmid
aus: Norddeutsche Rundschau vom 16.02.2010