Talent allein reicht nicht

Bei Casting-Sendungen zählt auch ein interessanter Lebenslauf

 
Büsum – Die Klasse 10a des Nordsee-Gymnasiums hat am Projekt Schule macht Zeitung teilgenommen. Auf drei Seiten lesen sie heute Berichte, die die Schüler selbst verfasst haben.
 
Von Louisa Rahder
 
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, von heute auf morgen ein begehrter Star zu sein? Wettbewerbe wie Deutschland sucht den Superstar, Popstars, Supertalent oder auch Germanys Next Topmodel geben normalen Menschen die Chance, aus der traumhaften Vorstellung Realität werden zu lassen.
In Castingshows wählen bekannte Jury-Mitglieder wie Dieter Bohlen oder Heidi Klum Kandidaten nach verschiedenen Kriterien für ihre Shows aus. Was viele jedoch nicht wissen ist, dass meistens nicht nur Talent reicht. „Dieter hat zu mir gesagt, dass ich hammergut singen kann, aber mein Lebenslauf ist leider zu unspektakulär“, verriet eine 16-Jährige, die die Jury beim „Supertalent“ überzeugen wollte. „Toll, nur weil ich nicht aus einer Hartz-IV-Familie komme oder meine Eltern beide nicht tot, Alkoholiker oder getrennt sind. Was hat das denn mit Talent zu tun?“, klagte der Teenager. Die Sender brauchen Kandidaten, die ein bewegendes Schicksal haben, mit denen sich die Anrufer, die für die Kandidaten per Telefon abstimmen, identifizieren können oder mit denen sie Mitleid haben.
Dies ist ein Problem, weshalb auch oft die guten Teilnehmer schon frühzeitig ausscheiden. „Die Leute rufen doch für die Guten häufig gar nicht an, weil sie denken, dass die doch eh schon alles haben“, begründet eine 15-Jährige, warum die wahren Talente oftmals scheitern.
Diejenigen, die in die nächste Runde kommen, stehen für einige Monate im Rampenlicht, werden mit Fan-Briefen überschüttet und lernen interessante Leute kennen. Es wird ihnen das Gefühl vermittelt, bereits ein großer Star zu sein, indem sie von Stylisten beraten, von Choreographen und Gesangstrainern ausgebildet und von Psychologen betreut werden, um dem Druck der Show stand- halten zu können. Häufig wird ihnen ein Image zugesprochen, zum Beispiel Heulsuse oder Zicke, das dem wirklichen Charakter des Kandidaten nicht entspricht. Der Gedanke, das ganze Leben so verbringen zu können, ist für viele ein so großer Reiz, dass sie für diese Chance alles aufgeben, was ihnen etwas bedeutet: Sie brechen ihre Ausbildung ab, trennen sich von ihrem Partner und haben keine Zeit mehr für ihre Freunde und Familie. Vielleicht könnten sie ja der Gewinner von Tausenden sein. Immerhin ist die Chance bei 10 000 Bewerbern 0,01 Prozent. Wenn sie dann aber, nachdem sie alles andere aufgegeben haben, in der Show scheitern, stürzt diese schöne Scheinwelt wie ein Kartenhaus ein und die Teilnahme an dem Wettbewerb kann sich wie ein Fluch über ihr altes Leben legen. Von der einen auf die andere Sekunde muss der Ex-Kandidat nun akzeptieren, dass das öffentliche Interesse an ihm erloschen ist und er sich in seiner bisherigen Welt wieder zurechtfinden muss, was oftmals nicht funktioniert. Der Gewinner hingegen hat eine echte Chance auf eine Karriere als Star, wenn er bereit ist, weiterhin hart und diszipliniert zu arbeiten und sich nicht auf seinem Erfolg ausruht.

aus: DLZ vom 02. März 2010

 

Die Ergebnisse der Online-Befragung zur Evaluation der Doppelstunden liegen vor:

Befragung der LehrerInnen

Befragung der SchülerInnen

Free business joomla templates